MANNHEIMER MORGEN vom 06.10.2013

PREMIERE IM OSTSTADT THEATER MANNHEIM

 

Anfangs nehmen sich die Akteure  selber auf den Arm:

"Wir haben keinen blassen Dunst, doch das nennt man Kunst",

doch der Verlauf des Abends straft sie erfreulicherweise Lügen.

 

SCHRIESHEIM: Kabarett-Ensemble „Die Dialektiker“ im Rahmen der SPD-Kulturveranstaltungen                                             zu Gast im Zehntkeller / Parodie auf die große Politik und das Alltagsleben

Vom Europa-Gipfel bis zum Baumarkt

Kabarett als Politik, Politik als Kabarett: Die Regierungschefs Italiens, Deutschlands und Griechenlands, Berlusconi, Merkel und Samaras, bei ihrem "Europoly".

©  mar

"Wir haben keinen blassen Dunst, doch des nennt man Kunst" - so stellten sich "Die Dialektiker uff PoliTour" selbst vor. Aber im Laufe des Abends wurden die über 120 Zuschauer im Zehntkeller eines Besseren belehrt - und erlebten eine "geistige Sportstunde für ein Lachmuskeltraining". Stadträtin Gabriele Mohr-Nassauer hatte das Kabarett-Ensemble vom Mannheimer Oststadt-Theater entdeckt und für den SPD-Kulturherbst eingeladen.

 Ihr Name ist Programm, denn sie gingen den Widersprüchen zwischen Denken und Handeln humorvoll auf den Grund, nicht nur bei Politikern, sondern auch bei Ehepaaren sowie Männern im Baumarkt.

Politisch wurde es beim "Europoly"-Spiel unter dem Motto "Wie Europa hinter den Kulissen wirklich regiert wird": Samaras, Berlusconi und Angela Merkel streiten sich natürlich ums Geld, aber "Griechenland wird sich niemals ergeben" - bis schließlich nur "Angie" übrig bleibt und meint: "Nur die dümmsten Ratten verlassen ein Schiff, das nicht sinkt."

 Auch die Auswüchse der Gesundheitspolitik wurden parodiert. Die Rentnerinnen Berta und Lenchen, hervorragend dargestellt von Susanne von Grumbkow und Wencke Matthai, jammern über ihre Leiden und die der anderen. So ist "die Minna an akutem Nierenversagen gestorben - nach zu viel Katzenfutter". Und es gibt immer neue Angebote, etwa - ganz makaber: "zehn Prozent Rabatt auf einen Transfer nach Holland zur aktiven Sterbehilfe."

Die Schauspiel-Ausbildung der "Dialektiker" zeigt sich auch bei den beiden Männern des Ensembles, Uwe von Grumbkow und Knut Frank. Im geschlossenen Baumarkt freuen sie sich, endlich eine Runde auf dem Minibagger und Aufsitzrasenmäher fahren zu können.

Spannend wird es bei der Szene über die Ebay-Ersteigerungen: Erst am Schluss erfahren die Zuschauer, wie es zur "Internetparalyse" von Uwe gekommen ist und an wen ihn seine Frau Susanne schließlich versteigern kann: Sie ist jetzt schuldenfrei, und er hat's nun gut . . . bei Gunther von Hagens Körperwelten.

Auch die politisch korrekte Sprache kam an diesem Abend nicht zu kurz: So sollten Frauen künftig als "Menschen mit Menstruationshintergrund" bezeichnet werden.

Am Ende verabschiedet Ortsvereins-Chef Sebastian Cuny die "Dialektiker", die ohne Zugabe bleiben - gemäß ihrem Motto "Mir verspreche nix, awwer des halte mer!"mar

© Mannheimer Morgen, Donnerstag, 25.09.2014